Collage aus einer Figur, die auf einer Toilette kniet und eine weinende Zeitung in der Hand hat. Aus dem Tränensee erhebt sich ein Tukan.

„Was bedeutet das Gemalte?“, März ’26

Immer wieder fragen Frauen mich:

„Und was bedeutet das jetzt, was ich da gemalt habe?“

Dann sage ich immer: „Das musst du mir sagen. Denn etwas Allgemeingültiges gibt es da nicht!“ Da sind die Frauen dann verblüfft und sehen ihr Werk nochmal mit neuen Augen.

Eigentlich kann jede ihr Werk nur selbst interpretieren – ich bin lediglich dazu da, sie dorthin zu führen. Denn für jede bedeuten die Dinge etwas anderes: Wofür steht für dich ein Schmetterling? Die Antwort untereinander wird vielleicht ähnlich sein, aber nicht gleich.

Also kann ich umgekehrt nur meine eigenen Werke deuten, aber ich versichere euch: Wer das tut, erlebt auf jeden Fall so manche

Überraschung.

Nochmal: Es geht nicht um Schönheit. Es geht darum, spontan und frei von der Leber weg zu arbeiten, um an die tieferliegenden Schichten unseres Selbst heranzukommen, das Unbewusste. Es hat alles gespeichert, was wir erlebt, gedacht, gesagt bekommen und selbst gesagt haben. Am ehesten wird es in unseren Träumen sichtbar – und auf Papier.

Ich möchte euch ein

Beispiel

geben und etwas über ein Bild erzählen, das ich diese Woche geschaffen habe. Nicht schön; scheinbar gedankenlos habe ich ein paar Papiere geklebt, ein paar Kohlestriche hinzugefügt, fertig. Tatsächlich? Was ich gemalt habe, ist ein Prozess: Ich knie auf der Toilettenschüssel und habe eine weinende Zeitung in der Hand. Die Toilette hat in der Mitte einen Höllenschlund, die Unterwelt ist also präsent. Auch der Kontakt zum Himmel ist da, denn die Toilette schwebt auf Füßen durch den Raum, und auch der Tränensee, der sich aus der Zeitung ergibt, schwebt im Raum. Die Tränen sind offenbar fruchtbar, denn aus dem See steigt ein fröhlich-bunter Tukan auf. Es geht bei diesem Bild ums Abgeben von Druck, von Trauer. Der Tukan benutzt seinen riesigen Schnabel zur Regulation seines Wärmehaushalts. Die Qualität, die ich gewinne, wenn ich durch meine Trauer gehe, ist also die, dass ich Wärme/Kühle, sprich, auch Nähe/Distanz in Beziehungen erfolgreich regulieren kann. Ich darf enttäuscht, traurig, wütend sein, das ist auch in Freundschaften normal. Ich darf das zeigen, zum Beispiel Wärme ausdrücken, aber auch Distanz. Ich bin frei zu agieren und zu reagieren. Dafür kann mein Gegenüber ebenso frei handeln. Wenn wir uns dann – trotzdem oder erst recht – in der Begegnung treffen, ist diese

umso kostbarer.

Wenn ich ein Bild auf eine solche Weise anschaue, gewinne ich vielleicht ein Sinnbild, das in mir lebendig bleibt und mich erinnert. So wie der Tukan mit der Regulierung von Wärme/Kühle. Wenn der Tukan auch mal Kühle ausstrahlen kann, kann ich das ja wohl auch…

Manchmal sind es kleine Dinge, die zum Symbol für Größeres werden.

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