Heute schauen wir unser Bild an. Und: Wir schauen uns im Spiegel an.
Oft haben wir ein unrealistisches Bild von uns. Jemand hat uns in unserer Kindheit gesagt, dass wir eine große Nase haben. Seitdem sehen wir erst mal beim Spiegelblick unsere Nase. Jedes Mal. Dabei haben wir vergessen, dass eine Freundin mal unsere zarten Ohren gelobt hat. Dass unsere erste Liebe unsere Augen so aussagekräftig fand. Selten betrachten wir uns, wie wir sind. Wir betrachten uns so, wie wir gelernt haben, uns zu sehen. Wir finden uns nur mit Lidstrich schön. Wir verurteilen die Falten. Dabei ist unser Gesicht der sichtbare Beweis unserer kostbaren, gelebten Zeit, es dokumentiert unser Lachen, unser Nachdenken!
Eine Karikatur. Uns als in Einzelteile zerlegtes, in sich verschobenes Gesicht.
Fangen wir mit dem Detail im Gesicht zu zeichnen an, was uns das Wichtigste ist, was wir betonen wollen. Spielen wir mit den Möglichkeiten. Wir sollten nicht versuchen, uns in schön zu malen. Entweder es gelingt, dann mögen wir unser Spiegelbild weniger, oder es gelingt nicht, dann sind wir frustriert über unsere Zeichenkünste. Versuchen wir nicht, gut zu malen. Versuchen wir, genau zu malen: „Ein ruhiges, blaugraues Auge mit großer Pupille und dichten schwarzen Wimpern“ ist leichter zu malen als „ein blaues Auge“. Oft sind wir uns nicht ganz genau im Klaren, was wir wollen. Wie sollen wir es dann zu Papier bringen? Halten wir die wichtigsten Erkenntnisse und Gedanken, die uns im Zusammenhang mit dem Malen unseres Gesichts gekommen sind, im Notizheft fest.